Kommentierte Linksammlung Ukraine

Vorab: Klar, die Sammlung hier kann einseitig oder tendenziös genannt werden. Allerdings erscheint es mir doch recht unsinnig auf diejenige Meinung zu verweisen, welche uns anschreit von faz über spiegel, den ÖR-Rundfunk bis zur taz.

Die Berichterstattung zu den Maidan-Protesten und den damit verbundenen politischen Umbrüchen ist eine Propagandaschlacht im Cold-War-Style. Und da tun sich Ost wie West eigentlich nix. In Deutschland beweisen (neben den üblichen Verdächtigen wie faz, bild usw.) besonders die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, wie gut die alten Reflexe noch funktionieren: Seit Monaten demonstrieren dort die braven ‚Proeuropäer‘ gegen den korrupten Janukowitsch und seine ‚Terrorgesetzte‘ (Vermummungsverbot!) und für Demokratie usw. Und zwar so friedlich wie möglich, aber so ‚entschlossen‘ (Schußwaffen und Katapulte) wie eben nötig. Dafür werden sie dann von der Sonderpolizei totgeschossen (was ja tatsächlich nie schön ist). Zur Rettung reisen Steinmeier und Konsorten gen Osten und handeln heldenhaft einen rettenden Kompromiss aus. Und das obwohl Putin seinen Menschenrechtsbeauftragen zu den Gesprächen entsandt hatte ->da kichert die heute-redaktion<-. Dann das: Nur ein paar Tage später meldet der böse Wladimir (Russland) auf einmal russische Partikularinteressen an und beginnt diese auch noch durchzusetzen. Jetzt sind die Vermummten in den Tagesschauen endlich wieder böse und bedrohlich (weil wahrscheinlich russisch) was wenigstens etwas Normalität zurück bringt.

Monate der Medienschlacht haben gezeigt: Es gibt bei diesem Thema kaum reflektierte Positionen. Entweder wird auf den EU-Propaganda-Zug aufgesprungen, oder Russland bzw.  der russische Nationalismus gehyped. Zumindest gefühlt ist das so. Liegt aber auch vielleicht daran, dass mensch sofort in eine Schublade gesteckt wird, je nachdem mit welchem Argument begonnen wird.
So kommt es, dass mir Unterstützung von „westlichem Imperialismus“ ebenso vorgeworfen wurde, wie Opfer russischer Propaganda (oder eben Putinfan)  geworden zu sein. Das verrät mir dann immer mehr über meine Gesprächspartner als über micht selbst.. Falls du was über Nazis in Russland wissen möchtest (darüber findest du hier nichts) empfehle ich z.B. das Dossier der bpb zum Thema. Aber auch in einschlägigen Szenepublikationen sollte da schnell viel zu finden sein.

Dennoch halte ich folgende Publikationen für äußerst hilfreich für die eigene Meinungsbildung:

  • Bereits Anfang Januar führte die jungle world ein Interview mit dem Gewerkschafter Denis Lewin über die sozialen und ökonomischen Probleme in der Ukraine, sowie über die Maidan-Proteste. Titel: „Die Linke ist nicht vertreten“
  • Publikative.org schreibt über Neonazis bei den Maidan-Protesten und über einen wachsenden Antisemitismus in der Ukraine.
  • Auf dem blog des lower class magazine findet sich ein vor-Ort Bericht vom 27.02. Neben der Bestandsaufnahme, dass tatsächlich viele Rechte und Nazis auf der Straße präsent waren/sind, erfährt man hier vor allem wie beschissen es eigentlich aus emanzipatorischer Perspektive aussieht.
  • Am gleichen Tag veröffentlicht Tomasz Konicz eine Einschätzung zur Situation in der Ukraine. Er schreibt ebenfalls über die Nazis bei den Protesten, verweist darüber hinaus aber auch auf die geostrategischen Interessen von Russland und ‚dem Westen‘.
  • In der aktuellen Konkret (3/2014; S.12ff.) erklärt Jörg Kronau welche Rolle die Kiewver Oligarchen bei der ganzen Sache spielen.
  • Das grosze Thier veröffentlicht außerdem den historischen Beitrag „Ukraine ohne Juden“ über das deutsche Besatzungsregime in der Ukraine während des Zweiten Weltkriegs. Ein Ausschnitt aus dem Buch „Besatzung, Kollaboration, Holocaust. Neue Studien zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Mit einer Reportage von Wassili Grossman“.
  • verlinkt ist dort außerdem gleich noch einen Artikel aus der Konki 2/2014 in dem Erich Später über die ukrainischen Nazi-Kollaborateure (OUN, Bandera) berichtet.

Update 03.03.2014

  • „Freitag“-Blogger Hans Springstein veröffentlicht ein kommentiertes „Mosaik“ von Nachrichten. Das Ganze hat allerdings nen reichlich antiimperialistischen drive.
  • Hurra: Der Russe kommt!“ jubelt Gerrit Liswok auf haolam. Hier stellt er fest, dass zwei Wochen nach Euromaidan die Euro-Deutschen ihre wesentlichen Ziele bereits erreicht hätten.
  • Joachim Gauck wagt sich für das Titanic-Magazin an die „Russenfrage“: „Demokraten und Faschisten haben ihre Differenzen überwunden, um den großen Traum aller Ukrainer zu erfüllen – von einem alten Jahrmarktsboxer und einer rückenkranken Ölmillionärin regiert zu werden. „

Update 04.03.2014

Update 05.02.2014

  • Noch einmal Tomasz Konicz, der über die Umtriebe der ‚Revoltuionäre‘ berichtet und darüber, dass das ganze selbst der neuen Kiever Regierung langsam Sorgen bereitet.
  • Mal ein bisl was anderes: SPON weist auf die doch recht enge „Sicherheitszusammearbeit“ von Deutschland und der Ukraine in den vergangenen Jahren hin (Quelle: Antwort der B-Regierung auf ne Anfrage von den Grünen). Darunter fällt zum Beispiel auch die Unterstützung der Berkut-Polizei-Einheiten mit Know-How und Ausrüstung. Außerdem hat die Bundesregierung (nur) „keine Kenntnis“ von Zuwendungen an Nazis…
  • Jetzt wird’s etwas unübersichtlich: Die „Unabhängige Studentengewerkschaft ‚Direkte Aktion'“, sowie die “ Autonome Union der Arbeiter“ werfen Borotba vor, u.a. mit russischen Nationalisten zu paktieren. Wir erinnern uns an das jungle world interview mit einem Vertreter ebendieser Borotba (guckste oben). Über die ‚Direkte Aktion‘ wiederum hörte man (im ebenfalls oben verlinkten interview mit dem Kolesnik), sie sei zwar liberal, hätte aber mit den (ukrainischen) Nationalisten auf dem Maidan fratanisiert.  Die Autonome Arbeiterunion (= Autonome Union der Arbeiter, wie ich denke) wird von ihm als ‚kleine Gruppe‘ bezeichnet, die ihre Position im Laufe der Proteste geändert habe.
  • Der Vollständigkeit halber hier noch die Entgegnung von Borotba auf die o.g. Vorwürfe.

Update 06.03.2014
Heute ist mein Tag der Freien Radios, weil ich diese bei der Aufstellung bisher sträflich vernachlässigt hatte.  Mittlerweile ist ja der Konflikt auf der und um die Krim in den Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit geraten. Neben dem gestern veröffentlichten Telefonat, in dem estlands Außenminister der EU-Ashton nahelegt, die Scharfschützen des Maidan kämen aus den Reihen der Demonstranten. Eine Einschätzung des Realitätsgehaltes dieser Behauptung erlaube ich mir (zum jetzigen Zeitpunkt) nicht.

  • Zur Lage auf der Krim erklärt Dr. Mieste Hotopp-Riecke dem Radion Corax, weshalb die vorherrschende schwarz-weiß Darstellung der Situation vor Ort nicht gerecht wird: Es gäbe zwar schon länger Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen, aber noch seien die über 100 auf der Krim beheimateten Ethnien immer miteinander ausgekommen – wenn auch nicht immer gut. Den Krimtataren und ihren zivilgesellschaftlichen Initiativen der letzten Jahre schenkt er eine besondere Aufmerksamkeit. Kritisch äußert sich Hotopp-Riecke – verständlicherweise – zur derzeitigen russischen Besatzung. Was ich cool fand: Hier erfährt man auch mal was über solche Sachen wie Frauendemonstrationen für den Frieden.
  • Die „Eskalationsspirale auf der Krim dreht sich weiter„, weshalb LORA München mit Andreas Zumach (Journalist + sogar „UN-Korrespondent in Genf“) über Propagandakrieg, die russische Krim-Strategie und die möglichen Entwicklungen spicht. Intressant ist außerdem, was er zu den Maidan-Protesten und dem Regierungswechsel zu sagen hat. Zumach schließt das Ding mit den Scharfschützen übrigens explizit nicht aus, dafür aber, dass der Westen ein gutes Blatt in der Hand hat. Insgesamt eine sehr differenzierte Wortmeldung!!
  • Die jungle world beglückt uns heute mit zwei Artikeln zum Thema: Ute Weinmann schreibt über die neue Regierung (open4all) in Kiew und russische Großmachtinteressen. Kristina Holzapfel informiert über die strategische Bedeutung der Krim für Russland. Sie geht davon aus, dass Russland die Halbinsel wohl so schnell nicht aufgeben wird – damit hat sie, legt man die heutige ‚Abstimmung‘ des Krimparlaments zugrunde – wohl recht.
  • Aufgetrieben hab ich außerdem eine 2005er Folge „Mit offenen Karten“ über die Ukraine.

Update 07.03.2014 [ab heute leider nur noch unregelmäßige updates]

  • SPON geht der Frage auf den Grund, ob es stimmt,  dass Janukowitsch noch immer Präsident der Ukraine ist. Ergebnis: Juristisch betrachtet schon, aber es ist halt Rewoluzzion.
  • In eine ähnliche Kerbe schlägt Jens Berger von den NachDenkSeiten, der Kerrys ‚Liste der Lügen‘ erfolgreich auf Lügen überprüft.
  • Der Gastbeitrag  von Eugen Ruge auf Zeit-Online macht die restlichen Schnarchbeiträge dort natürlich nicht weg. Er fordert Verständnis für Russland.
  • Noch gar nicht erwähnt habe ich das tägliche Ukraine-Telegramm auf linksunten. Der Autor gibt sich so antifa/anarcho-underground-mäßig und scheint recht nah am Geschehen zu sein. Eine gute ersten Informationsquelle zu der Repression der neuen Regierung gegen Antifas und andere Linke.

Update 08.03.2014

  • Julie Hyland (wsws.org) klärt ausführlich über ‚Die Gefahr des Faschismus in der Ukraine‚ durch Sowboda auf, Rhizom zitiert die zentralen Stellen. Wieso Julie den Umsturz gerade als „US-gestützten Putsch“ bezeichnet erschließt sich mir aber nicht so ganz. Auch wär die Nennung von ein paar Quellen nicht schlecht gewesen.
  • Eine mögliche Quelle wäre z.B. dieser Bericht der ETH-Zürich über Swoboda aus dem Jahr 2011. Dort steht z.B. auch die Sache mit dem „Joseph Goebbels Reseach Center“ das im Dunskreis der Partei entstand (und heute den Namen des Präfaschisten Ernst Jünger trägt).
  • Unterdessen hat Piratin Marina Weisband sich von der Situation in Kiew ein Bild machen können. Sie erklärte dort in einem Interview mit der heute-show der ‚Deutschen Welle‘ unter dem Konterfei von Stepan Bandera, einem Banner der Bataillion „Nachtigall“ und anderem Nazi-Schnick-Schnack, dass sie selbst noch keinen Antisemitismus in der Base des ‚rechten Sektors‘ erlebt und auch nicht davon gehört habe. Na dann… ich dacht schon.
  • Leo Fischer macht sich Gedanken über Demokraten im Ausland und kriminelle Blockupy-Aktivisten in Deutschland.

Update 11.03.2014

  • Stefan Gärtner wendet sich in seinem Sonntagsfrühstück u.a. gegen die Scharfmacher aus dem Westen.
  • Bezüglich Auseinandersetzung innerhalb der ukrainischen Linken hat das große thier einen Text der Seite nihilist.li übersetzt.

Nachträgliche Links. Unregelmäßiger Input.

Vieles ist geschehen. Referendum auf der Krim und (Wahlkampf)Krieg zwischen Grün und Rot (also die ganz links sitzen). Auch wer die Partei die Linke an sich eher doof findet, kommt nicht umhin die Position der GenossInnen zur Ukraine-Krise zu goutieren. Im Gegensatz zu der der Grünen… deren Osteuropasprecherin Beck im dlf jede menge Quatsch von sich geben durfte. So hätte es bei der swoboda zwar früher mal „antisemitische Rhetorik“ (für „Antisemitismus“ hat’s nicht gereicht?) gegeben, aber heute empfinde sich die Partei als „Teil des Maidan“.. *silence* Gemerkt? Na, deswegen ist sie nicht mehr (rhetorisch) antisemitisch, nazimäßig usw. unterwegs… weil sie sich als ‚Teil des Maidan‘ fühlt. Peng. Knallhart die Logik. Nja so geht das interview dann weiter. Und der Cem wirft der ‚Linken‘ Kriegstreiberei vor. Ohweh. Jetzt aber die Links:

  • Ist die Ukraine das „Griechenland des Ostens?“, fragt sich Tomasz Konicz. Womit er natürlich auf die von IWF und Co. geforderten „Reformen“ anspielt.
  • Rhizom weist darauf hin, dass zu dem Referendum am Wochenende keine Rechtspopulisten von Putin eingeladen worden sind. Die von der dpa lancierte Meldung diesbezüglich war eine Ente.
  • Mal was etwas anderes: Interessante Hintergrundinformationen von Wadi zu den „Internationalen Wahlbeobachtern“ beim Krim Referendum. Das waren nämlich u.a. polnische Nazis. Hier treffen sich denn auch Antiimps bzw. Anti-Neolibs mit Faschotum.
  •  Der Rechte Sektor soll wohl in die Nationalgarde integriert werden.
  • Jörn Schulz prangert auf seinem jungleblog den unreflektierten Umgang mit Russland bzw. mit dem russischen Nationalismus in Kreisen der ‚autoritären Linken‘ an. Er nennt das Elsässerismus. Ist mir aber auch aufgefallen: Während in den Leidtmedien weiter konsequent die EU-Linie vertreten wird, outen sich einige Linke als Russland-Fans, bäh.
  • Im Radio Dreyeckland stritten sich der Moderator so ein wenig mit einem Friedensbewegten. (mensch merkt, so langsam werden die posts inhaltlich etwas breiter)
  • Über Rechte in der Ukraine spricht Ute Weinmann. Die freie Autorin schreibt ab und zu für die jungleworld.
  • Cyrano vergleicht auf dem coolen blog ’sonntagsgesellschaft‘ das Verhalten Deutscheuropas (traurig, ist aber leider so) bei den Aufständen im Iran (2009) und in der Ukraine (heut).
  • Hier wird die Tendenz kritisiert, dass das internationale Weltgeschehen von den Medien (wieder) als Geschichte der großen Männer und Frauen gedacht und kommuniziert wird. Als gäbe es keine Kabinette, Parlamente oder EinwohnerInnen.
  • Auf dem gleichen blog kann schon seit ein paar Wochen nachgelesen werden, was man aus den Ereignissen in der Ukraine über die moderne Herrschaft lernen kann. (Wieso hab ich diesen blog bisher eigentlich nicht wahrgenommen)
  • Der Swoboda-Chef hat ein wenig die Fäuste fliegen lassen. Auf den Leiter des Ukrainischen Fernsehens. Der muss jetzt aufhören. Also der vom Fernsehen.
  • Peter Schaber vom Lower Class Mag über die voranschreitende Integration von Neonazis in den Staatsapparat. Eingangs bemerkt er, dass mittlweile sogar westliche Politiker beginnen sich vor den Geistern die sie riefen zu fürchten. So z.B. MdEP Günter Verheugen (SPD). Gibt’s da noch keine_n wichtigere_n Dissidenten?
  • Scheinbar nicht. Daher hier nun das Interview mit Verheugen (in Topform). Lief auf wdr5.
  • Ja, ja so langsam häufen sich auch halbweg vernünftige Beiträge in der taz. Wie dieses Interview mit dem Soziologen Volodimyr Ischtschenko.

Eingestellt. Nicht ohne einen Hinweis auf die aktuelle Ausgabe der jungle-world mit Schwerpunktthema „Krim-Konflik“  bzw. „Ukraine. Statt regelmäßiger Updates dieser Seite werde ich ab jetzt einzelne Beiträge verfassen. Das können wieder kommentierte Verweise sein, oder aber auch eigenständige Beiträge zu neuen Entwicklungen. Außerdem würde ich gerne eine Medien/Talkshow-Kritik verfassen..


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